Die Fütterung
Bei Abgottschlangen handelt es sich um Lauerjäger, d.h. sobald die Nacht hereinbricht (oder das Licht ausgeschaltet wird) kommen sie aus ihrem Unterschlupf und legen sich an einen ihnen günstig erscheinenden Platz auf die Lauer. Meistens ist es ein Ast oder eine erhöhte Ablage.
Die Schlange windet dann ihr vorderes Drittel in eine "S"-Form, um möglichst schnell und auf eine nicht zu unterschätzende Distanz ihr Beutetier greifen zu können.
Wenn man seine Tiere bei ausgeschaltetem Licht beobachtet und sie sich gerade in Lauerstellung befinden, kann man feststellen, dass sie selbst kleinste Bewegungen in ihrer Umgebung aufmerksam mit ihrem Blick verfolgt und neugierig züngelt.
Boa c. constictor aus Surinam in Lauerstellung
Sobald ein Beutetier in Reichweite kommt, schlagen sie blitzschnell zu. Dabei gehen sie meist gezielt auf den Kopf der Beute, ziehen diese sofort in eine Schlinge und drücken solange zu, bis der Tod des ergriffenen Tieres eintritt.
Unsere Schlangen werden mit vorher abgetöteten Mäusen und Ratten mit Hilfe einer langen Pinzette gefüttert und nehmen diese problemlos an.
Boa c. constrictor aus Guyana beim Erdrosseln einer Maus
Wenn die Tiere einzeln gehalten werden, müssen sie vor der Fütterung nicht separiert werden. Das erspart den Tieren unnötigen Stress. Das kommt dem Halter besonders bei der Aufzucht von Problemfällen zu Gute!
Nachdem die Schlange vom Tod ihrer Beute überzeugt ist, lockert sie die Schlingen und beginnt nun ihre Mahlzeit abzuzüngeln.
Das kann sich oft über mehrere Minuten hinziehen bis sie den Fressakt beginnt. In den meisten Fällen wird das Beutetier vom Kopf an, manchmal aber auch von hinten oder queer verschlungen.
Unsere Jungtiere werden alle 7 bis 12 Tage mit Rattenbabies oder kleinen Mäusen gefüttert. Die adulten Boas kriegen zwischen 12 und 18 Tagen Ratten oder andere Futtertiere in entsprechender Größe.
Surinam Rotschwanzboa beim Verschlingen eines Hamsters
Falls ein Weibchen zur Vermehrung eingesetzt wird, bekommt sie die letzten Monate vor der Paarungszeit alle 14 Tage 2 bis 4 Ratten, um sich für die (hoffentlich) anstehende Trächtigkeit ein paar Gramm Fett an die Rippen zu fressen. Bei Mangel an Ratten kann es schon mal vorkommen, dass ein junges Meerschweinchen oder Zwergkaninchen dran glauben muss.
Die Männchen werden weiter normal gefüttert.
Junge Meerschweinchen und Zwerghasen sollten nur großen Weibchen verfüttert werden. Das Gewicht der Futtertiere geht bei uns nicht über 500 g hinaus.
Nach der Fütterung wird sich die Schlange vorzugsweise an einen warmen Ort im Terrarium begeben und ihre Aktivitäten auf ein Minimum beschränken.
Für die Verdauung braucht die Schlange viel Ruhe und sollte die darauffolgenden Tage, ausser bei den Reinigungsarbeiten nicht gestört oder gehandhabt werden.
Nach 7 bis 10 Tagen ist der Verdauungsvorgang beendet und die Schlange setzt Kot ab.
... eine brasilianische Königsboa beim Fressen einer Ratte:
Nach dem blitzschnellen Ergreifen der Beute wird das (schon vorher tote) Opfer in den Schlingen erdrosselt
Wenn die Schlange von ihrer Beute längere Zeit kein Lebenszeichen mehr spürt (das kann etliche Minuten dauern!), löst sie ihren Griff und beginnt das Tier abzuzüngeln um nach dem Kopf zu suchen
Nun fängt die Schlange an, ihr Beutetier vom Kopf an zu verschlingen
Sobald die Schlange den Kopf des Nagers mit den Schlundmuskeln festhalten kann....
... schiebt sie sich Stück für
Stück ...
... über ihre Beute
Nach der Mahlzeit wird meistens umgehend ein warmes, sicheres Versteck aufgesucht, ...
... um in aller Ruhe zu verdauen