Fortpflanzung von Boa constrictor

 

 

Der Wunschtraum eines jeden Boa-Halters ist die erfolgreiche Vermehrung seiner Pfleglinge. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Zuchtberichten in Internet und verschiedensten Büchern, in denen der genaue Ablauf von Werbung, Paarung, Ovolation, Trächtigkeit und Geburt aufgeführt ist und doch steht jeder, der seine Tiere zum ersten mal zur Vermehrung bringen will, vor dem ein oder anderen Rätsel.

 

 

Neben einer gut funktionierenden Anlage und einer männlichen und weiblichen geschlechtsreifen Boa, spielt das Glück eben auch noch eine recht entscheidende Rolle.

 

 

 

Geschlechtsreife

 

Die meisten Unterarten von Boa constrictor erreichen die Geschlechtsreife mit durchschnittlich 4 bis 5 Jahren, wobei die Männchen meistens ein Jahr früher zur Fortpflanzung schreiten können, als die weiblichen Tiere. Bei Boa c. imperator sind auch manche weiblichen Tiere schon mit 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif.

 

Für eine erfolgreiche Fortpflanzung ist es sehr wichtig, das gerade das Weibchen eine gewisse Größe bzw. ein der Länge entsprechendes Gewicht auf die Waage bringt. Da die Mädels über den Zeitraum der Trächtigkeit, der ca. ein halbes Jahr beträgt nicht, oder nur sehr wenig fressen (sollten), braucht das Tier vor der Paarungszeit ein gewisses Fettpolster, um die Trächtigkeit unbeschadet zu überstehen.

 

 

Paarungszeit

 

Die Zeit, in der sich Boas fortpflanzen, fällt in der Regel zwischen September und April. Meist am Anfang dieser Zeitspanne fangen die männlichen Abgottschlangen an, sofern sie das nötige Alter aufweisen und paarungswillig sind, ab jetzt aktiver zu werden und das Terrarium nach möglichen Ausbruchsstellen zu durchsuchen.

Kurze Zeit drauf kann man an manchen Einrichtungsgegenständen abgesetzte Spermafäden entdecken.

Falls der Fall eintrifft, kann das Männchen zum Weibchen gesetzt werden.

 

 

Dieses Bild zeigt einen frisch abgesetzten Spermafaden einer Boa constrictor constrictor aus Surinam. Dieses Männchen war ziemlich früh dran, da es Mitte September bereits aktiver wurde und vier Tage später Spermafäden absetzte

Männchen, die zur Paarung schreiten wollen, durchforsten auch tagsüber ohne größere Ruhephasen das Terrarium

 

 

Bei den Männchen, die sich auf den Weg machen, ein Weibchen zu suchen, wird in der Regel noch kein Futter abgelehnt.Die Tiere werden in großen Abständen von 3 - 5 Wochen mit einem kleinen Nager gefüttert. 

 

 

Werbungsverhalten der männlichen Boa

 

 

Hat ein paarungswilliges Weibchen am Anfang der Paarungszeit in ihrem Terrarium Pheromone gebildet und abgegeben, wird das frisch zugesetzte Männchen sofort auf ihre Fährte gelockt. Es dauert meist nicht lange, bis das Männchen mit dem Weibchen Körperkontakt aufnimmt und es interessiert bezüngelt.

 

Nach dem ersten Kontakt versucht das Weibchen meist, sich aus dem Staub zu machen und kriecht vom Männchen davon. Dieser verfolgt seine Angebetete natürlich und versucht, sich auf das Weibchen zu legen.

 

 

Hier muss das Weibchen gleich vor zwei Interessenten flüchten

 

 

Jetzt kommt eine kleine Bildfolge, bei der ein Männchen das Weibchen verfolgt:

 

 

 

 

Hat sich das männliche Tier in die richtige Position gebracht, (es liegt dann meist in mehreren Windungen auf dem Weibchen) fängt er an, das Weibchen mit Hilfe seiner Aftersporne zu stimulieren.

 

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie beweglich die sonst nicht benötigten Afterklauen sind, wenn ein Männchen sie zu Paarungszwecken einsetzt.

 

 

Bei diesem Bild sind die Aftersporne gut zu erkennen Bei diesem Bild sind die Aftersporne gut zu erkennen

 

 

 

Paarung

 

 

Mittlerweile ist bekannt, dass das Werben des männlichen Tieres dazu beiträgt, dass im Körper der weiblichen Boa befruchtungsfähige Follikel ausgebildet werden. Auch der Ernährungszustand ist dafür ausschlaggebend.

 

Unser Boa-Mann musste 23 Tage um die Gunst seiner Angebeteten werben, bevor sie ihn zum ersten mal gewähren ließ. Die erste Paarung dauerte ca. 1 Stunde:

 

 

Der nasse Fleck in der Mitte ist Sperma, das unmittelbar vor der Kopulation abgesetzt wurde Der nasse Fleck in der Mitte ist Sperma, das unmittelbar vor der Kopulation abgesetzt wurde
Der Hemipenis ist deutlich zu sehen Der Hemipenis ist deutlich zu sehen

 

 

 

Ovulation

 

 

 

Bei der Ovulation lag unser Boa-Weibchen aus Surinam mehrere Tage in sanften Windungen in ihrer großzügigen Behausung. Das Männchen wurde 2 Tage später aus dem Terrarium genommen und wieder einzeln gesetzt. Zwei Tage danach wurde er wieder deutlich ruhiger und zeigte das typisch faule Boa-Verhalten.

 

 

 

Postovulationshäutung

 

 

 

 

Anhand dieser Häutung, die ca einen Monat nach der Ovulation stattfindet, lässt sich der Stichtag für die Geburt der Jungen errechnen.

 

Das Absetzen der Jungtiere erfolgt im Durchschnitt 105 Tage später.

Trächtigkeit

 

 

 

Auf den Röntgenbildern ist deutlich zu erkennen, wie sich die Eier in der Leibeshöhle des Weibchens angeordnet haben.

Ultraschallbilder mit aneinander aufgereihten Eiern zwischen 3,5 und 4,2 cm.

 

 

 

 

Bereits zwei Wochen nach der Ovulation ist eine deutliche Umfangvermehrung im hinteren Körperdrittel zu sehen. Das Weibchen pendelt jetzt oft zwischen der Heizmatte und ihrem kühleren Versteck hin und her, um die Temperatur im optimalen Bereich für die Entwicklung der Jungtiere zu halten. Leider stellt sich erst bei der Geburt heraus, ob das Weibchen wirklich Jungtiere in sich trägt, oder ob es sich um unbefruchtete Eier, sogenannte "Wachseier" handelt. Bis dahin bleibt es ein Rätselraten und Hoffen!

 

 

 

 

 

Vier Wochen nach der Ovulation.

 

 

 

 

Unser trächtiges Brokopondo Weibchen zusammengerollt auf der Heizmatte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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